Biographie

Aufgewachsen zwischen Bach und Beatles lernte der 1972 in Tübingen geborene Florian Dohrmann zuerst Klavier. Er übte fleißig und träumte davon, klassischer Pianist zu werden. Doch dann entdeckte Dohrmann gegen Ende seiner Schulzeit den Jazz und den Kontrabass und emanzipierte sich musikalisch vom Elternhaus. Dieser Weg führte ihn 1993 zum Studium der Jazz- und Popularmusik an die Stuttgarter Musikhochschule zu Prof. Thomas Stabenow.

1997, kurz vor Ende des Studiums, lernte Florian Dohrmann den damals
16-jährigen Klarinettisten David Orlowsky kennen. Aus dieser Begegnung zweier musikalischer Welten entwickelte sich eine jahrzehntelang währende, sich ergänzende Partnerschaft. Die sensible Kombination aus klassischem Klangideal einerseits und Jazz-Rhythmik andererseits auf der Grundlage des Klezmer, der Folklore der aschkenasischen Juden, machte den außergewöhnlichen Reiz des von ihnen gegründeten „David Orlowsky Trios“ aus.

Das Trio wurde im Lauf der Jahre so erfolgreich, dass es 2008, nun mit dem kongenialen Jens-Uwe Popp an der Gitarre, für die CD „Noema“ (ihr Debüt bei Sony classical) einen ECHO-Klassik in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ erhielt.

Doch er blieb auch stets seinen musikalischen Wurzeln, dem Jazz, verbunden, und veröffentlichte im selben Jahr unter eigenem Namen die CD „Medium Dry“, eine Reminiszenz an den Cool und Westcoast Jazz mit etlichen Eigenkompositionen.

Auch im David Orlowsky Trio trug Dohrmann nicht nur als Kontrabassist, sondern ebenfalls als Komponist sehr zum besonderen Stil der Gruppe bei, den sie als „chamber.world.music“ bezeichnete. Dabei hört man in Dohrmanns Kompositionen oft seinen Jazz-Hintergrund. Stücke wie „Taxi Bucuresti“ oder „Waits Dance“ sind rhythmisch komplex und mitreißend.

Der renommierte Verlag Schott/Advance Music wurde auf die Arbeit des Trios aufmerksam und veröffentlichte 2009 das passende Notenbuch zu „Noema“, welches auch Dohrmanns Kompositionen enthält.

2009 und 2011 folgten weitere Aufnahmen für Sony classical, „Nessiah“

und „Chronos“. Zu diesen wurden von Schott /Advance Music ebenfalls die begleitenden Notenbücher veröffentlicht.

2013 spielte das „Orlowsky Trio“ mit der Kammerakademie Potsdam Orchester-Arrangements eigener Kompositionen ein (Symphonic Klezmer / Sony classical). Für die Aufnahme “Klezmer Kings – a tribute to Naftule Brandwein und Dave Tarras “ von 2014 (Sony classical) erhielt das Ensemble 2015 seinen zweiten „Echo ohne Grenzen“.

Viele namhafte deutsche Festivals und Konzerthäuser, wie das Schleswig-Holstein Musikfestival, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das Rheingau Musikfestival oder die Ludwigsburger Festspiele luden das Trio über die Jahre regelmäßig ein.

Der Radius vergrößerte sich und brachte das Trio in dieser Zeit u. a. in das Concertgebouw in Amsterdam, ins Salzburger Mozarteum, in die New Yorker Carnegie Hall, nach Süd-Korea oder auch in die Ukraine. Unter anderem von letzterem Auftrittsort inspiriert, erschien 2017 das Album „Paris Odessa“.

In diesem Jahr gründete Florian Dohrmann auch das Band-Projekt „Blank Page“. Die Idee der „leeren Seite“ ist die unvoreingenommene Betrachtung und Verarbeitung klassischer Komponisten auf der Grundlage eines Jazz-Quartetts. Anlässlich des 100. Todesjahres Claude Debussys 2018 heißt das erste Programm „New impressions of Debussy“, welches Anfang 2019 auf CD erschien und für den deutschen Schallplattenpreis nominiert wurde.

Die ebenfalls 2019 erschienene Live-Aufnahme „One last night“ des Orlowsky Trios aus der Hamburger Elbphilharmonie markiert schließlich den Schlusspunkt dieses außergewöhnlichen Trios. Ende August 2019 verabschiedete es sich mit vier mitreißenden, ausverkauften Konzerten beim Schleswig-Holstein Musikfestival von seinem Publikum.

Das Ende dieser 20-jährigen künstlerischen Ära ist gleichzeitig der Beginn neuer kreativer Aufbrüche. 2020 wird die Premiere einer Revue über das Leben und die Musik von Nina Simone mit dem Namen „Feeling good? – Nina Simone, ihre Musik, ihr Leben, ihre Zeit“, gefeiert.

Ein neues Duo wird ebenfalls 2020 sein erstes Programm vorstellen.
Klaus Paier und Florian Dohrmann lernten sich bei einigen gemeinsamen Konzerten mit dem Orlowsky Trio kennen und schätzen und planen seither ein gemeinsames Programm.

Nun ist die Zeit reif für all diese neuen spannenden Entwicklungen.

Presse

Dohrmann „(…) entwickelt, vermutlich dank seiner Jazzvergangenheit, einen direkteren Groove, der manchen Zuschauern dermaßen in die Beine fährt, dass sie zu tanzen beginnen. Ob in agilen Läufen oder in druckvollen Noten, stets kultiviert der Kontrabassist einen warmen, tragenden Ton.“

(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.06.2017)